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Montag, 17. August 2026

Aen Ithlinnespeach


Altnordische, mythologische Konzepte in Sapkowskis The Witcher

»Verily I say unto you, the era of
the sword and axe is nigh,
the era of the wolf`s blizzard. [...]
Tedd Deireádh, the Time of End.«

Der Gegenstand meiner Studie ist das Motiv der Vorherbestimmung (›Aen Ithlinnespeach‹) in der epischen Saga The Witcher (2015) von Andrzej Sapkowski in Verbindung mit einem Paratext, mit dem Sapkowski seine Saga einleitet. In der erzählten Welt des Witchers bilden Vorherbestimmung und Eschatologie gemeinsam ein zentrales, narratives Motiv, das den Plot der fünf Romane der Saga strukturiert und das Worldbuilding dominiert. Dieses doppelte Leitmotiv wird in einer seiner frühen Kurzgeschichten - A Question of Price (2007) – vorbereitet, 1 in der Sapkowski seine Konzeption der Vorherbestimmung entwirft, und sie zum bestimmenden Narrativ seiner Saga macht. 2 Der erste Band der Witcher-Pentalogie, Blood of Elves, enthält einen einleitenden Paratext, die Prophezeiung ›Aen Ithlinnespeath‹, die dieses Leitmotiv aufgreift - dunkle Vorhersagen, in der düsteren und mysteriösen Atmosphäre einer Dark Fantasy.

»Verily I say unto you, the era of the sword and axe is nigh, the era of the wolf’s blizzard. The Time of the White Chill and the White Light is nigh, the Time of Madness and the Time of Contempt: Tedd Deireádh, the Time of End. The world will die amidst frost and be reborn with the new sun. It will be reborn of the Elder Blood, of Hen Ichaer, of the seed that has been sown. A seed which will not sprout but will burst into flame.« (BE. 5)

Meine Analyse der ›Aen Ithlinnespeath‹ beginnt mit einer Vorbemerkung, der Abgrenzung der Genre Mythologie, Fantasy und Dark Fantasy, mündet in die intertextuelle Einordnung der Prophezeiung des Paratexts, die sich an das bereits in den Kurzgeschichten konzipierte ›Child of Destiny‹ (BE. 274 oder BF. 707; 845; LL. 1339) als bedeutendste Protagonistin der Serie anschließt (vgl. SD sowie SM), und endet mit der Analyse von Sapkowskis Konzept der Vorherbestimmung, dem zentralem Narrativ der Witcher-Saga, das sich unmittelbar aus der eschatologischen Perspektive der Prophetie des einleitenden Paratexts in Blood of Elves (1994) ergibt.

Montag, 1. Juli 2024

Die Óðinn-Texte


Die eng miteinander verbundenen Óðinn-Texte habe ab 2000 im inzwischen geschlossenen Wissenschaftsportal Vingilot veröffentlicht. Als Einheit betrachtet, fahnden sie nach der Identität eines altnordischen Gottes, der sich als Repräsentant oder auch als Avatar in der modernen Fantasy-Literatur großer Beliebtheit erfreut. Die bekannteste Óðinn-Figur ist der weltweit bekannte Zauberer Gandalf, der diesen Archetyp im Herrn der Ringe repräsentiert. Die Óðinn-Texte im einzelnen sind:

Freitag, 3. November 2023

Die semantische Ambivalenz von altnordisch aurr


Die Namen Éarendel und Aurvandillr sind semantisch identisch, es sind die Namen einer bedeutenden mythischen Persönlichkeit in unterschiedlichem Sprachkostüm.
Die ersten etymologischen Bemühungen von Rudolf Much, der zuerst von an. aurr, Gold, ausging und als Bedeutung der glänzende Wandale (*Auza-wandilaz) vorschlug, brachte ihm viel Kritik, kaum aber wissenschaftliche Klarheit in das Aurvandillr-Problem ein.1 Semantisch einleuchtender ist dagegen Muchs spätere Deutung (1926), Lichtstreif, Lichtstrahl (an. aurr, Gold; an. –vandill zu vöndr, Stab), denn diese Deutung passt viel besser zu einer Astralmythe, die der Aurvandillr-Mythos schließlich suggeriert. Viel geklärt, da anfechtbar, war mit dieser Etymologie aber immer noch nichts.2 Tolkien könnte die etymologischen Spekulationen Muchs gekannt, vielleicht sogar geteilt haben, kreist doch sein Earendil um die Phänomene Glanz und Licht. Insbesondere die strahlende Qualität des Lichtes faszinierte Tolkien, wie Verlyn Fliegers Untersuchung belegt hat, die darauf hinweist, dass Tolkiens ganze Silmarillion-Mythologie auf der Spannung von Wort und Licht beruht.3

Muchs einseitige Priorisierung des altnordischen Lexems aurr als Reflex eines leuchtenden Phänomens, denn dahin zielen seine beiden Deutungen, ist nicht unproblematisch, denn aurr ist semantisch ambivalent.
Jan de Vries denkt im Zusammenhang mit an. aurr in erster lexikalischer Position an:4

  • mit Stein untermischter Sand;
  • Feuchtigkeit, Nässe.5

Mit dieser Bedeutung öffnet de Vries eine Tür, hinter der weitere mysteriöse Mythen warten, deren Interpretation ähnliche Schwierigkeiten machen wie die Aurvandillr-Episode. Eddische Dichtungen scheinen die von de Vries bevorzugte Bedeutung zu bestätigen. Gustav Neckel und Hans Kuhn geben aurr, nasse, schmutzige erde (Ghv.16, Rþ.10, Grt.16); auch bezeichnung der erde (Alv.10).5 In Völuspá 19 (Vsp) steht hvítaauri6 im Zusammenhang mit der Weltachse Yggdrasil, die von weißem nass7 benetzt wird, der als Tau in die Täler fällt. In der entsprechenden Strophe der Vsp. heißt es: