Samstag, 24. Januar 2026

Willkommen im Weblog Grüne Sonnen


Wenn wir bedenken, dass wir alle
verrückt sind, ist das Leben erklärt.

Mark Twain

Wenn wir lesen, erfreuen wir uns nicht nur an den Worten des Autors, wir kommunizieren mit seinem Verstand (Martin Amis, The War Against Cliché, 2001). Geht es dabei um Phantastische Literatur, um Fantasy, dann nehmen wir an seinen Träumen, Visionen und an seiner Imagination teil. Aber auch an seiner Originalität, seiner Weltsicht und in gewisser Weise auch an seiner Ver-Rücktheit. Wie Tassen, die in einem Schrank aus ihrer Ordnung gerückt werden, so verrücken Autor:innen phantastischer Erzähltexte die Perspektive der Leser:innen auf dessen Realität und Gegenwart. Da Träume und Visionen ins Unendliche reichen, sind die Gründe der Fantasie nicht auslotbar.

Erzählungen der Fantasy handeln von uns allen. Die Autor:innen phantastischer Erzähltexte ergreifen in ihnen die Gelegenheit, das, was eine historische Realität nicht tradiert, zu ergänzen, Mythenabbrevationen auszuformulieren oder für unmöglich Gehaltenes, magisch zu inszenieren und als wahr zu behaupten. Fantasy behandelt die andere Seite der Vernunft, spiegelt Themen, die archetypisch, magisch und innerpsychisch verankert sind. Die Welt der Träume, Visionen, Wünsche und Passiones, die Atmosphären des Unheimlichen und Erschreckenden, des Numinosen und Spirituellen. Fantasy-Autoren:innen erzählen von der anderen Seite des Menschen, die in den Schatten des Rationalismus und Materialismus der Aufklärung und der Tyrannei des Verstandes geraten ist. Sie verhelfen einer sekundären Realität zurück in die Wahrnehmung, indem sie einen Gegenentwurf zu aktuellen persönlichen, sozialen und politischen Themen in einer literarischen Form präsentieren, die aus Unbewusstem schöpft und an Unbewusstes rührt.

Freitag, 23. Januar 2026

I am blood. I am vengeance, I am death.


Rhetorische Mittel und symbolische Codes in Anna Smith Sparks Kurzgeschichte Red Glass

«The blade itself incites to deeds of violence.»
Joe Abercrombie 1

«Der Akt der Zerstörung birgt eine Schönheit, die wir gern leugnen und eine Freude, die sich nicht leugnen lässt. Kinder bauen Türme, damit sie sie wieder umwerfen können, und obwohl wir um dieses Bedürfnis herum erwachsen werden, sitzt es weiter in uns. Tiefer als unser Blut. Gewalt ist die Sprache der Zerstörung, das lebendige Fleisch sooft ihr Gegenstand, letztlich kostbar, in Sekundenschnelle ruiniert.»
Mark Lawrence 2

Einleitung

Gewalt als unentrinnbare Realität? Schönheit, die aus Zerstörung entsteht? Der Verlust von Identität unter dem Diktat absoluter Macht? Eine fatalistische Weltanschauung; gar nihilistisch? Die Ästhetik der Gewalt und des Grauens ist das Thema, das Anna Smith Spark in ihrem erzählerischen Werk reflektiert.3 Themen, die in unserer Gesellschaft allgegenwärtig sind, ungeliebt, am liebsten geleugnet, unter den sprichwörtlichen Teppich gekehrt, in der Hoffnung, dass das, was öffentlich nicht sichtbar ist, übersehen oder vergessen wird. Anna Smith Spark zerrt an diesem Schatten des Menschseins, und führt uns in ihren Erzählungen die extremen Konsequenzen seiner Verdrängung unbarmherzig vor Augen. Gegenstand meiner Studie sind die narrativen Mittel, mit denen die Autorin diese Schattenseiten – vor allem Krieg, Gewalt und Zerstörung – thematisiert. Um Smith Sparks Kurzgeschichte Red Glass in die mittlerweile schon seit Jahrzehnten unentschiedene Debatte über Gewalt in unserer Gesellschaft einzuordnen, fasse ich zu Beginn den aktuellen Stand der Diskussion zusammen. In weiteren Kapiteln kommentiere ich meine Synopsis der Erzählung, analysiere Smith Sparks Stil und Rhetorik, interpretiere die Symbolik des zentralen Artefakts, des roten Glases, damit abschließend die Motivation der Autorin sowie die Bedeutung des Narrativs der Gewalt in ihren Erzähltexten nachvollziehbar wird.

Dienstag, 20. Januar 2026

Ein spektakulärer Coup - Brandon Sandersons Heist-Plot


Einleitung

Erzählungen über Diebe, Ganoven und Kleinkriminelle bilden seit Jahrhunderten ein beliebtes Figurentableau fiktionaler Erzählungen, in Schemaliteratur, Belletristik, Tragödie und Komödie, aber auch in den literarischen Werken eines Schillers, Shakespeares oder Dickens, Werke, die gerne als Weltliteratur reüssieren. Vom Filmmetier ganz zu schweigen, wie neuerdings die Netflix-Serie La casa de papel vorführt. Ein nach willkürlichen Kriterien aussortierter Teil unserer literarischen Tradition wird durch die Bezeichnung Literatur geadelt, während andere literarische Werke gerne geringschätzig „Genreliteratur“ genannt werden, bleibt doch unzweifelhaft, dass Literatur, Buchstaben- oder Schriftkunst, nicht monopolisiert werden kann noch teilbar ist. Oralität und Literalität, Sprache und Schrift, sind die beiden Kategorien, in denen sich Erzähltes präsentiert und tradiert wird, unabhängig von Bewertung und Qualität. Doch dazu bedarf es eines Rahmens.
Der Gegenstand der folgenden Studie ist die Analyse des Plotmodells, das Brandon Sanderson im ersten Band der Mistborn-Serie verwendet (2009-2010).1 Sandersons Serie ist ein populäres Beispiel für einen Heist-Plot in der Fantasy, in dem ein Team von Allomanten,2 sie alle sind Diebe, Attentäter und Revolutionäre, die mit magischen Fähigkeiten und kriminellen Aktivitäten einen spektakulären Diebstahl planen, und gleichzeitig den Umsturz eines tyrannischen, autokratischen Systems in die Wege leiten. Es ist verführerisch am Beispiel von Brandon Sandersons Heist-Plot die Schwierigkeiten bestimmter „grundlegender“ Handlungsmuster zu untersuchen, auf die sich Ronald B. Tobias mit seinen 20 Master Plots festgelegt hat um zu sehen, was Tobias Kategorien übrigbleibt, wenn man genauer hinschaut.3

Freitag, 16. Januar 2026

Elaine blath, Feainnewedd


Ein Paratext aus Andrzej Sapkowskis The Witcher

«Elaine blath, Feainnewedd . . . Child of the Elder Blood.»1

Einleitung

Gegenstand dieser Studie ist ein Paratext in Andrzej Sapkowskis erstem Roman der Witcher-Pentalogie, Das Erbe der Elfen,>2 der in der polnischen Originalfassung auf der Rückseite des Titelblatts abgedruckt ist (Krew elfów). In der deutschen Übersetzung leitet dieser Paratext - der in der englischen Fassung, Blood of Elves, fehlt - den Roman ein. Paratexte gehören im Fantasy-Genre zu einer beliebten Textsorte. Es handelt sich bei ihnen um kurze, prägnante Texte, Begleiter in Form von Vorworten, Notizen, Kommentaren, Leitmotiven, Mottos, Widmungen, Zitaten oder die unverzichtbaren Landkarten der erzählten Welt. Diese Begleittexte gehören nicht unmittelbar zur Erzählung, setzen aber oft einen dramaturgischen Fokus, der dazu in der Lage ist, der Fiktion eine illusorische Faktizität zu verleihen. Andrzej Sapkowski behauptet auf diese Weise in der Witcher-Saga einen fiktionalen, historischen Hintergrund, vor dem sich das Geschehen entfaltet - eine Erzählung hinter der Erzählung. Paratexte bilden ein Vestibül, wie in der antiken römischen Architektur, den geschmückten Platz zwischen Straße und Haustür der vornehmen Patrizierhäuser, den Übergang zwischen Forum und Atrium.

Dienstag, 13. Mai 2025

Das Schicksal der Kinder Lirs


Der alt-irische Kontext einer historischen Fantasy

Is not a tale a living thing that grows
and changes with every telling?

Juliet Marillier1

Einstimmung

Juliet Marillier erzählt ur-altes Wissen in einem modernen Gewand. Für die Textoberfläche, das eigentliche Geschehen der Erzählung, wendet sie sich an das altirische, kulturelle Gedächtnis, das sich bis heute in Mythen und Sagen ausdrückt. Fragmente, nicht mehr als Splitter, sind übergeblieben, doch die Autorin bettet sie in die mysteriöse Textur des phantastischen Erzählens, wie unterschiedliche Garne, die das Bild eines Gobelins weben. Wer eine Erzählung nicht allein der Unterhaltung wegen liest, sondern einen Blick hinter die Textoberfläche werfen will, stellt sich vielleicht zuallererst die Frage: Um welche Art Erzähltext handelt es sich? Der Schwerpunkt der folgenden Betrachtung des ersten Sevenwaters-Romans von Juliet Marillier, Die Tochter des Waldes, fokussiert auf die Beantwortung der Frage nach den kulturellen und literarischen Wurzeln dieser Erzählung.2

Mittwoch, 20. November 2024

Von Seelenstempeln und Wesensprägern


Invested Arts in Brandon Sandersons Cosmere

To Forge something, you had
to know its past, its nature.

A Forgery had to be likely –
believable - otherwise it
wouldn’t take.

.Wan ShaiLu

Vorbemerkung

The Emperor`s Soul ist eine eigenständige Novelle,1 die recht lose mit Brandon Sandersons Cosmere-Zyklus verbunden ist. Sie ist zwar Teil seines übergreifenden, multiversalen Fantasy-Universums (cosmere2), kann als Erzählung aber eigenständig gelesen werden, ohne dass Vorkenntnisse über das Cosmere erforderlich sind (Standalone Novel). Der Gegenstand meiner Betrachtung diese Novelle sind einige Aspekte des Worldbuilding der Erzählung, im Besonderen die erzählte Welt und das magische System der Novelle, in der Absicht, den narrativen Hintergrund von Sandersons Erzähltext auf seine Konstruktionsmerkmale hin zu befragen.
Forging ist ein magisches System der Planetenwelt Sel (The Selish System),3 das darauf basiert, Objekte oder sogar Menschen zu verändern, indem ihre Geschichte, ihre Identität und Persönlichkeit umgeschrieben werden. Um dies zu erreichen, wird ein spezieller Stempel geschnitzt und mit Symbolen versehen, der charakteristische Aspekte der Vergangenheit der Natur des zu fälschenden Objekts aufweist.

Donnerstag, 10. Oktober 2024

Die Shaod - Koevolution von Leiden und Heilen


Mit der Shaod und den Elantriern thematisiert Brandon Sanderson in seiner Novelle Elantris Fragen nach Göttlichkeit, Erlösung, Leiden und menschlicher Autonomie. Während die Shaod einst als göttliche Transformation angesehen wurde, stellt ihre Korruption zu Beginn des Romans den Glauben an die göttliche Unfehlbarkeit in Frage. Damit eröffnet er eine Diskussion über den Sinn des Leidens und den Weg zur Erlösung. In Elantris stellt er den Glauben an das Göttliche der Kraft von Wissen, Vernunft und menschlicher Handlungsfähigkeit gegenüber, wobei die Wiederherstellung der Stadt Elantris durch Raoden als Symbol für das Potenzial des Menschen gelesen werden kann, Erlösung und Transzendenz zu erlangen.1

Man nannte es die Shaod. Die Verwandlung. Sie ereilte die Menschen willkürlich - gewöhnlich des Nachts, während der geheimnisvollen Stunden, in denen das Leben langsam zur Ruhe kommt. Die Shaod konnte einen Bettler, einen Handwerker, einen Adeligen oder einen Krieger treffen. Wenn sie sich ereignete, endete das Leben des Glücklichen und ein neues begann; er streifte seine alte, profane Existenz ab und zog nach Elantris (E, 9).

Montag, 16. September 2024

Tolkiens Elbenfreunde


Ideale sind wie Sterne: Wir erreichen sie nie,
Wir können aber - Wie der Seemann auf dem Meer -
Unseren Kurs nach ihnen ausrichten.
Carl Schurz

Wenn nicht John Ronald Reuel Tolkien, wer sonst wäre ein Elbenfreund. Der Titel Elbenfreund (Elendil) erinnert an den Herrn der Ringe, und die Leser*innen denken vielleicht an den Hobbit Frodo und seine Begleiter, vielleicht aber auch an die großen Vorfahren Aragons oder die steinernen Monumente der Argonath (S, die zwei edlen Steinernen). Als Frodo endlich den Entschluss fasste, seine Reise anzutreten und sich auf die Abenteuer einzulassen, die ihn entlang seines Weges erwarteten, begegnete ihm Gildor Inglorion aus Finrods Geschlecht. Kaum der Gefahr der Begegnung mit einem der Schwarzen Reiter entronnen, hörten die vier Hobbits den Gesang der Eldar (Elben):1

Doch in diesem Augenblick hörte man ein Singen, das von Gelächter unterbrochen wurde. Helle Stimmen drangen durch die sternklare Nacht. Der schwarze Schatten richtete sich auf, und zog sich zurück.

Montag, 9. September 2024

Re-read Elantris


Vorbemerkung

Elantris ist eine der Cosmere-Erzählungen, die Brandon Sanderson im Planetensystem Sel angesiedelt hat, in dessen Zentrum der gleichnamige Planet steht.1 Sel ist Heimat to multiple empires that, uniquely, have remained somewhat ignorant of one another. It is a willful kind of ignorance, with each of the three great domains pretending that the others are mere blips on the map, barely worth notice. Zwei Splitter (shards) des ursprünglichen Adonalsiums, Dominion (Herrschaft) und Devotion (Hingabe), haben großen Einfluss auf die Entwicklung menschlicher Gesellschaften auf Sel, und die meisten Traditionen und Religionen lassen sich auf diese beiden Splitter zurückführen. Elantris ist nicht die einzige Cosmere-Erzählung, für deren Geschehen Sel die Bühne ist.2 2012 veröffentlichte Sanderson eine Novelle, The Emperor`s Soul, die ich in einem eigenen Blogbeitrag besprechen werde. In der Anthologie Arcanum Unbound erschien dann 2016 die dritte Cosmere-Erzählung, The Hope of Elantris, für deren Geschehen Sel ebenfalls die Bühne ist. Das Geschehen dieser Kurzgeschichte ereignet sich während des finalen Angriffs von Hrathens Truppen, den Derethi, auf Elantris. Sanderson erzählt, wie ein junges Mädchen durch Hoffnung und Entschlossenheit ihre Gemeinschaft inspiriert, auf Prinz Raodens Eingreifen zu warten, damit dieser mit magischen Kräften den Angriff abwehrt und Elantris rettet: eine Erzählung von Hoffnung und Mut in einer scheinbar aussichtslosen Situation.

Brandon Sandersons Cosmere-Debut

Elantris ist Brandon Sandersons erzählerisches Cosmere-Debut, der Kontinent Arelon die erste fiktionale Welt in diesem Universum. Als Genre betrachtet, gehört Elantris zur High Fantasy, und nach Farah Mendlesohns Rhetorics zur Kategorie der portal quest oder immersive fantasy.3 Elantris ist eine Stadt in Arelon, Kae ein Königreich in einer Sekundärwelt. Insofern ist Elantris als Genre auch eine secundary world fantasy, die in einer vollständig fiktionalen Welt spielt, die eigene Regeln, Kulturen und ein Magiesystem besitzt. Die Stadt Elantris und das Königreich Arelon existieren in einer komplexen, magischen Welt, die von Brandon Sandersons Cosmere-Worldbuilding geprägt ist (immersive fantasy). Sandersons Cosmere ist ein ambitioniertes, übergreifendes Konzept, das seine sekundären Welten, mehrere verschiedenen Planeten mit eigener Kultur und Geschichte verbindet, die alle Teile eines gemeinsamen Universums sind. Jeder dieser Planeten hat ein eigenes Magiesystem (Investitur), das auf den grundlegenden Prinzipien des Cosmere basiert.4

Donnerstag, 5. September 2024

Mein Name ist Kvothe!


Aber gerade ihr solltet doch im Klaren sein, wie schmal der Grat ist,
der die Wahrheit von einer überzeugenden Lüge trennt.
Die historische Wahrheit von einer unterhaltenden Geschichte

Kote in Der Name des Windes.1

Die Konstruktion postmoderner Fantasy in Patrick Rothfuss` Königsmörder-Chronik

Die Königsmörder-Chronik von Patrick Rothfuss ist eine epische Fantasy-Romanreihe, die neuerdings in drei Romanen und zwei Novellen vorliegt: Der Name des Windes (2007; The Name of the Wind) und Die Furcht des Weisen (2011; The Wise Man's Fear). Mittlerweile gibt es vier Spin-offs der Königsmörder-Chronik: die drei Novellen The Lightning Tree (in George R. R. Martin and Gardner Dozois (ed.), Rogues, 2014), Die Musik der Stille (2015; The Slow Regard of Silent Things [2014]) sowie Der Weg der Wünsche (2023; The Narrow Road Between Desires), die das Schicksal der Nebenfiguren Bast oder Auri weiterverfolgen, sowie die Kurzgeschichte How Old Holly Came To Be (in Shawn Speakman, Unfettered 2013).
In den primären Erzähltexten steht Kote-Kvothe im Zentrum, ein legendärer Magier, Musiker und Abenteurer, der seine Lebensgeschichte im Gasthaus am Wegstein einem reisenden Chronisten erzählt. Die Romanstruktur und die Erzählperspektiven bieten interessante Einblicke in die Art und Weise, wie Autoren Phantastischer Literatur ihre Erzähltexte konstruieren. Das erzähltextanalytische Instrumentarium von Franz K. Stanzel und Gérard Genette, das ich in meiner Studie anwenden werde, bildet einen ausgezeichneten Werkzeugkasten für einen Blick hinter die Kulissen einer populären Fantasy-Serie (Vgl.a. Herbert W. Jardner, Die Konstruktion sekundärer Welten, Blogbeitrag Grüne Sonnen, 2023).

Seit den 1950er Jahren wurde es zunehmend üblich, dass erfolgreiche Fantasy-Autoren ein strukturelles, narratives Mittel wieder verwenden, das Erzähler schon im Mittelalter entwickelt hatten – die Technik des Interlacement (entrelacement).2 In die moderne Fantasy-Literatur eingeführt haben diese Technik insbesondere Autoren wie J.R.R. Tolkien für sein epochales Werk The Lord of The Rings sowie in dessen Nachfolge Robert Jordan in The Wheel of Time. Im Gegensatz zu den Erzähltexten der heroischen Fantasy sowie der sword and sorcery, die mehrheitlich einem linear-progressiven Diskurs folgen, auf dem sich Reflektorfiguren (POV) auf einem Zeitstrahl bewegen, orientiert sich die epische high fantasy an der Tradition von Werken mit einer breiteren Perspektive und komplexen, in mehrere parallele Erzählstränge gebündelte Plots. Neuerdings hat G.R.R. Martin in seinem Epos A Song Of Ice And Fire diese literarischen Instrumente im Rahmen seiner realistic oder historical fantasy virtuos vorgeführt, und für sein Interlacement-Konzept jeweils eigene, perfekt korrespondierende Point-of-View-Charaktere entwickelt.3 Diese beiden narrativen Mittel markieren mittlerweile den Unterschied zwischen dem talentierten, kreativen Autor und dem vielgelesenen und publizistisch erfolgreichen Autor.

Patrick Rothfuss schlägt in seinem mehrbändigen Debüt der Königsmörder-Chronik einen anderen Weg ein, den er allerdings nicht als erster ging.4

Dienstag, 3. September 2024

Ein postapokalyptischer Roadtrip


Cormac McCarthy probt in Die Straße das Ende der Menschheit

Am Rande der Nacht liegen die
Ländereien dieses Erzählers, an der
Grenze zur allumfassenden Dunkelheit.

Süddeutsche Zeitung

Vorbemerkung

Cormac McCarthys Roman Die Straße ist ein düsterer, minimalistischer postapokalyptischer Roman expressionistischer Manier, inhaltlich provokativ und erzähltechnisch elaboriert mit einem Mix interessanter narrativer Strategien, sie tief ins Bewusstsein seiner Leser*innen greifen. McCarthys Roman führt ihnen vor, auf welcher Straße die Menschheit unterwegs ist, was mit ihren sozialen Beziehungen und der ökologischen Stabilität ihres Planeten geschehen wird, wenn es ihr nicht gelingt, ihre Habgier nach Macht und Geld sowie ihren maßlosen Konsum zu beherrschen. Ulrich Greiner nennt McCarthy, als sein Roman Die Straße in Deutschland erschien, den merkwürdigsten Einsiedler der amerikanischen Literatur. Sein Werk ist der geistige Wallfahrtsort aller untergangsseligen Fantasten. Sehr suggestiv, in der Tat, sehr unheimlich und ziemlich verdächtig. Monströs nennt er McCarthys Roman, aber nicht monströser als die Realität. Die globale Katastrophe ist seit Erfindung der Atombombe möglich. Beim Lesen seines Selbstgesprächs schleicht sich schließlich doch der Verdacht ein, dass Greiner die Wahrscheinlichkeit der Vernichtung des Planeten und der Lebensgrundlage der Menschheit als Fiktion betrachtet, gleichgültig ob durch eine nukleare oder eine Klimakatastrophe. Vielleicht würde er McCarthys Roman in einer Zeit, in der Menschen verzweifelt genug sind, und sich auf Verkehrskreuzungen und Start- und Landebahnen festkleben, anders bewerten.1

Samstag, 31. August 2024

Das Böse als Erzählfigur: Worldbuilding

Carlos Ruiz Zafóns fiktionale Jugendromane Die Trilogie des Nebels und Marina, Teil Zwei


. . . das Schloss, ein kathedralartiges Hirngespinst, Ausgeburt
einer überspannten, gequälten Phantasie . . . glich allmählich
einem in den Stein gehauenen, klaustrophobischen Schlund.

Carlos Ruiz Zafón


Vorbemerkung

Wer von einer Lektüre mehr erwartet als genüsslich spannende Unterhaltung, worin auch ihr eigentlicher Sinn besteht, mehr als bloßen Konsum dessen, was Autor*innen in monatelanger Arbeit in ihrer Fantasie konstruiert und auf hunderten Buchseiten inszeniert haben, findet einen besonderen Zugang zu einer Erzählung. Wer sich aufmacht, tiefer in die narrative Welt der Erzählfiguren einzutauchen, muss sich mit der erzählten Zeit und der erzählten Welt, dem Wordbuilding der Erzählung beschäftigen, die ihn eben erst verzaubert hat. Und besonders muss er die Figuren der erzählten Welt näher kennenlernen, die nicht mit dem Autor oder der Autorin, aus deren Fantasie und Feder die Erzählung floss, identisch sind. Es sind die Erzählfiguren, die dem Worldbuilding einer Geschichte Leben einhauchen. Mit ihnen steht oder fällt jede Erzählung. Um die Orte des Bösen und deren Atmosphäre in der Trilogie des Nebels näher zu bestimmen, beschränke ich mich in meinen Ausführungen auf die beiden Merkmale, die Zafóns Romanen ihre innere Struktur verleihen:

  • Einerseits sind das die Orte des Geschehens, denen eine spezifische Atmosphäre anhaftet, die sich in der Trilogie als Nicht-Orte manifestieren, wenn das Böse sie besetzt: Spukhäuser, Ruinen, verwilderte oder verlassene, abgelegene unheimliche Lost Places jeglicher Couleur als Rückzugsgebiete des Bösen.
  • Andererseits die Manifestation dieser Atmosphären an den Nicht-Orten der Trilogie, den Antagonisten, die wie reale Personen auftreten, auf die ich im dritten Teil meiner Betrachtung eingehen werde.

Montag, 26. August 2024

Die Welt der Regenwildnis


Robin Hobbs Novelle Homecoming, Teil Zwei

There is no plenty here, only strangeness that
lurks by day and prowls amongst our huts by night.

Lady Carillions Tagebuch

Vorbemerkung

Die narratologische Analyse der Novelle Homecoming in meinem Blogbeitrag Lady Carillions Tagebuch, insbesondere die Rolle der Erzählinstanz und der Erzählperspektive, ermöglichte eine fundierte Beurteilung der Stimme und der Absicht der Autorin. Die Konstruktion von Homecoming, das narrative Handwerk der realen Autorin Robin Hobb in der Erfindung fiktionaler Welten, bildet den zweiten Teil meiner Analyse, in der ich beabsichtige, Genre und Worldbuilding der Novelle in den Mittelpunkt meiner Betrachtung zu rücken. In Robin Hobbs erzählerischem Werk liegt der narrative Fokus normalerweise stärker auf den inneren Konflikten ihrer Figuren als auf den äußeren Herausforderungen. Sie konzentriert sich dabei auf das Individuum und die Erforschung der psychischen Befindlichkeit beziehungsweise Traumata ihrer Figuren. In ihrer Novelle Homecoming bildet das Verhältnis zwischen Regenwildnis und Lady Carillion eine konkurrierende Beziehung. Der Charakter der Regenwildnis ist in ihrer Erzählung so präsent, dass die Landschaft als Protagonist betrachtet werden kann, quasi als Antagonist, der mit der Hauptfigur eine rivalisierende Beziehung unterhält, in der beide ihre Kräfte messen.1

Donnerstag, 22. August 2024

Das Böse als Erzählfigur: Einleitung

Carlos Ruiz Zafóns fiktionale Jugendromane Die Trilogie des Nebels und Marina, Teil Eins


Sie wusste, dass die Schatten der großen Stadt
sie hier nicht erreichen konnten, doch die
Erinnerungen ließen sich nicht aufhalten.

Carlos Ruiz Zafón

Vorbemerkung

Liebhaber*innen von Carlos Ruiz Zafóns Tetralogie Der Friedhof der vergessenen Bücher (El Cementerio de los Libros Olvidados) kommt es nicht gleich in den Sinn, dass Zafón seine Karriere als Autor von vier fiktionalen Jugendromanen (young adult fiction) begann, deren Thema und Inhalt oberflächlich betrachtet nichts mit dem Werk zu tun haben, mit dem er berühmt wurde. Allerdings nur auf den ersten Blick, denn beide Serien teilen die Vorliebe des Autors für mysteriöse Orte und düstere Atmosphären, der mit seiner Melange aus Grusel und Mystik sowie Detektiv- und Abenteuergeschichten seine Leser*innen verzaubert. Werkinterne und werkexterne Intertextualität inklusive.

Mittwoch, 21. August 2024

Lady Carillions Tagebuch


Robin Hobbs Novelle Homecoming, Teil Eins

Some spirit of the Rain Wilds whispered to me,
»Try to master it and it will engulf you.
Become a part of it, and live.«

Lady Carillions Tagebuch

Vorbemerkung

Es war einmal in einem Reich, in dem Drachen und Menschen zum gegenseitigen Nutzen friedlich zusammenlebten. Drachen-Essenz hatte sich mit der Natur des Menschen vermischt. Aus dieser zufälligen Mischung waren die Altvorderen hervorgegangen. Sie waren groß und schlank gewesen, drachenäugig und mit goldenem Haar. Diese uralte Rasse hatte mit den Drachen zusammengelebt und sich in dieser Symbiose gesonnt.1
Das Reich der Altvorderen (Elderlings) war schon lange untergegangen als Verbannte und Kriminelle aus Jamaillia-Stadt die Ruinen dieser alten Kultur wiederentdeckten, sie plünderten und zerstörten. Robin Hobbs Novelle Homecoming erzählt von diesen Pionieren, der Entdeckung einer versunkenen Stadt und den Konsequenten, die daraus entstehen. Sie überliefert in Form eines Tagebuchs einige Monate aus dem entbehrungsreichen Leben der jamailliaischen Adeligen Lady Carillion Waljin Carrock in der Regenwildnis. Die Erzählung ist nicht nur ein vielleicht verloren gegangenes, und Jahre später wiedergefundenes Tagebuch. Sie bietet auch eine unterhaltsame, spannende Lektüre der Schemaliteratur, die eine wichtige Funktion in Robin Hobbs mehrere tausend Seiten umfassende Serie The Realm of the Elderlings spielt. Sie gehört nämlich

  • zur Geschichte hinter der Geschichte der Serie,
  • ist im Kern feministische Literatur und
  • überbrückt die durch die Tawny Man Trilogy entstandene Unterbrechung zwischen den Romanen der Liveship Traders Trilogy und der Rain Wild Chronicle.

Mittwoch, 14. August 2024

Odysseus, Kassandra und der Heilige Geist


Die Psychologie in der Mythologie der Antike

Die Welt der griechischen Antike und eines großen Teils außereuropäischer Kulturen ist unberechenbar von ergreifenden Atmosphären durchzogen. Diesem Gedanken zu folgen dienen die mythischen Protagonisten Odysseus und Kassandra. Meine Studie Odysseus, Kassandra und der Heilige Geist greift die Thematik dieser leiblich spürbaren Atmosphären auf, deren Autorität, wie Hermann Schmitz es nennt, für jeden den Gipfel unbedingten Ernstes erreicht. Der Gipfel des unbedingten Ernstes ist die beinahe charismatische Autorität des Göttlichen, der sich der Mensch, trotz seines Vermögens sich zu distanzieren und Kritik zu üben, bewusst unterwirft.
Den Menschen ergreifende Gefühle treten als bestimmte Personen, als Götter, in Erscheinung. Zu bestimmten Zeiten, an bestimmten Orten oder in bestimmten Situationen werden quasi in der Luft liegende Atmosphären als Gefühle erfahren. In der Auseinandersetzung des Menschen mit diesen Atmosphären können sich diese zu Personen verdichten. Das Numinose, das Rudolf Otto beschrieben hat, ist eine solche göttliche Atmosphäre für jeden, dem sie widerfährt und zugleich ein typisches Vorgefühl der göttlichen Gefühle in ihrer unermesslichen Vielgestaltigkeit.
Unverkennbar in der Flut der Fantasy- und Science Fiction-Literatur oder in zahlreichen Computerspielen, die ihre Inspiration eindeutig der Mythologie verdanken, zeigt sich ein unstillbarer Hunger nach Bildern und Symbolen, die die Sinndiskussion der rezenten westlichen Kulturen schon lange nicht mehr befriedigen kann. Die moderne kapitalistische Ethik mit ihrer einseitig rationalistischen Weltauffassung, der der moderne Mensch unterworfen ist, hat inzwischen dazu geführt, dass diesem kaum noch eigene Bilder aus dem Unbewussten entgegenwachsen. Programmiertes Heldentum ist gefragt, damit berechenbare und vorausplanbare Identifikationen entstehen können, die, medial gesteuert, zu normiertem Erleben und Erfahren führen. Ein reduziertes Angebot an Geschichten und Bildern, die die aus dem kindlichen Unbewussten strömenden Symbole individuell mit Leben erfüllen, und dem heranreifenden Menschen eine angemessene Realitätsprüfung erlauben, steht eine wachsende Flut von medial konstruiertem Bildmaterial gegenüber, das jegliche Phantasie im Keim erstickt.
Sache des Mythos ist die Darstellung, ein Hörbarmachen atmosphärischer Qualitäten. Mythos ist Aussage, ist verlässlicher Bericht über das im Atmosphärischen Gespürte, Erblickte und Gehörte, das räumlich ausgegossen in die menschliche Erfahrung hereinbricht. Mythische Erzählungen sind immer ein hinweisendes Sprechen, ein Sprechen, das helfen soll, in der Wirklichkeit einen bestimmten Gott als solchen zu erkennen, deshalb wird erzählt, wie er anderen begegnet ist.
Mythen beruhen auf der Erfahrung der Wirkung göttlicher Kräfte auf den Menschen, und auf der Nutzbarmachung der damit verbundenen Energien durch ihn. Sie zeugen vom Gespräch mit den Göttern. Begegnungen dieser Art erlebt der Mensch als emotional ergreifend und numinos; die Auseinandersetzung mit seiner Ergriffenheit führt den sinnsuchenden Menschen zur mythischen Gestaltung und unterscheidet diese von rein dichterischer Phantasie und Fiktion. Das hinweisende Sprechen der Mythen hat allerdings konjunktivischen Charakter – es verweist allein auf die jeweils mögliche eigene Erfahrung mit dem Göttlichen. Nur gemessen an solchen Erfahrungen gewinnen mythische Erzählungen sinn- und identitätsstiftende Glaubwürdigkeit und Legitimität, stabilisieren sie die Weltanschauung einer Gemeinschaft. Den Mythos richtig aufgefasst bedeutet allerdings das Zugeständnis, dass die Götter Voraussetzung, nicht nur Gegenstand der mythischen Rede sind. Übersinnliche Erfahrungen müssen erst gemacht werden, Göttern muss man erst begegnen, bevor von ihnen erzählt werden kann. Der Mythos endet da, wo unmittelbare atmosphärische Erfahrungen nicht mehr stattfinden, wo eine dogmatische Theologie nach dem An-Sich-Sein mythischer Protagonisten fragt, wo starre Theorie an die Stelle dynamischer Erfahrung tritt.

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Montag, 5. August 2024

Das unwahre Leben der Grace Stewart
Haunted-House-Horror in Alejandro Amenábars Psychothriller The Others


Das Ganze ist das Unwahre.
Aus dieser Erkenntnis ergibt sich unmittelbar,
dass es im falschen Leben kein richtiges gibt.

Theodor W. Adorno

Vorbemerkung

Jede Erzählung, unwichtig ob als Buch oder Film, besitzt immer zwei interdependente, narrative Schichten: die manifeste Textoberfläche sowie einen inhärenten, latenten Untergrund. Es ist wie mit dem menschlichen Bewusstsein, das über zwei unterschiedliche Qualitäten verfügt, gleichzeitig unbewusst und bewusst wahrnehmen und reagieren zu können. Damit ist auch der Gegenstand dieser Studie schon umrissen, die sich mit der latenten, narrativen Dimension in Alejandro Amenábars Film The Others auseinandersetzt.1
Amenábars Film ist ein hochkomplexes, vielschichtiges Werk, dessen Analyse und Interpretation verschiedene Perspektiven ermöglicht, die nicht unbedingt linear verlaufen, sich stattdessen manchmal im Kreis zu drehen scheinen, sich teilweise überschneiden, sich teilweise scheinbar widersprechen. Den Film in seine einzelnen Bestandteile aufgeschlüsselt, legt er Zeugnis von den Gedanken und Intentionen des Autors ab, die er in seinem Film deponiert.

Donnerstag, 18. Juli 2024

Jugendliteratur als Initiationsgeschichten. Ein Standpunkt


Vorbemerkung

Philip Pullmans Erzähltexte seiner Serie His Dark Materials werden im Allgemeinen als Literatur für Kinder zwischen 9 und 13 geführt. Ich kann die Gründe für diese Einordnung nicht nachvollziehen, weil die Implikationen der Themen von The Subtle Knife und besonders von The Amber Spyglass die Erfahrungen und die Urteilsfähigkeit von Kindern arg strapazieren. Vielleicht hängt diese Zuordnung allein damit zusammen, weil in den Erzähltexten sprechende Tiere und Hexen vorkommen, und Fantasy mit Märchen verwechselt wurde.
Die Unterschiede zwischen Kinder-, Jugend- und Erwachsenenliteratur sind fließend, unterliegen dem historischen Wandel sowie dem unterschiedlichen persönlichen Entwicklungsstand der Leser*innen, weshalb sie nur allgemein definiert werden können. Die Altersscheidegrenze von Kinder- und Jugendliteratur liegt im deutschen Sprachraum zwischen 12 und 14 Jahren. In den Vereinigten Staaten sind Jugendbücher (Young Adult Books) an mindestens 14- bis 16-Jährige adressiert, im englischsprachigen Raum existiert der Begriff Middle Grade Fiction für Kinder der mittleren Klassenstufen der 10- bis 12-jährigen. Abseits von jeglichem Genre-Gerangel und Altersgrenzen fand Philip Pullman ein farbenprächtiges Bild für seine bevorzugte Zielgruppe, das einer Graphic Novel entsprungen sein könnte:

Montag, 1. Juli 2024

Die Óðinn-Texte


Die eng miteinander verbundenen Óðinn-Texte habe ab 2000 im inzwischen geschlossenen Wissenschaftsportal Vingilot veröffentlicht. Als Einheit betrachtet, fahnden sie nach der Identität eines altnordischen Gottes, der sich als Repräsentant oder auch als Avatar in der modernen Fantasy-Literatur großer Beliebtheit erfreut. Die bekannteste Óðinn-Figur ist der weltweit bekannte Zauberer Gandalf, der diesen Archetyp im Herrn der Ringe repräsentiert. Die Óðinn-Texte im einzelnen sind:

Samstag, 25. Mai 2024

Thank you. Now I am bound


Kulturwissenschaftliche Perspektiven in Robin Hobbs Kurzgeschichte Words Like Coins

Careless words are dangerous. To all.
You waste words on what you can’t change.

Robin Hobb

Vorbemerkung

Es ist interessant zu entdecken, welche Zutaten Robin Hobb mischt, um eine spannende Erzählung zu konstruieren, die ihre Leser*innen fesselt. In ihrer Kurzgeschichte Words Like Coins ist das Worldbuilding einfach und unspektakulär. Für die erzählte Welt reicht ihr ein Bauernhof mit seinen Wohnräumen und Nebengebäuden, ein austrocknender Brunnen und ein paar vertrocknete Felder. Die erzählte Zeit, eine Zeit der Dürre, drei Tage und zwei Nächte im Leben von drei Figuren unterschiedlicher Herkunft. Words Like Coins gehört nach einem Eintrag der englischen Wikipedia1 zu den Erzähltexten mit der die Autorin ihre Serie The Realm of the Elderlings begleitet, obwohl man auch anderer Meinung sein kann, denn die Bezüge zu den narrativen Motiven ihres Hauptwerks sind doch sehr dünn.2