Einleitung
Erzählungen über Diebe, Ganoven und Kleinkriminelle bilden seit Jahrhunderten ein beliebtes Figurentableau fiktionaler Erzählungen, in Schemaliteratur, Belletristik, Tragödie und Komödie, aber auch in den literarischen Werken eines Schillers, Shakespeares oder Dickens, Werke, die gerne als Weltliteratur reüssieren. Vom Filmmetier ganz zu schweigen, wie neuerdings die Netflix-Serie La casa de papel vorführt. Ein nach willkürlichen Kriterien aussortierter Teil unserer literarischen Tradition wird durch die Bezeichnung Literatur geadelt, während andere literarische Werke gerne geringschätzig „Genreliteratur“ genannt werden, bleibt doch unzweifelhaft, dass Literatur, Buchstaben- oder Schriftkunst, nicht monopolisiert werden kann noch teilbar ist. Oralität und Literalität, Sprache und Schrift, sind die beiden Kategorien, in denen sich Erzähltes präsentiert und tradiert wird, unabhängig von Bewertung und Qualität. Doch dazu bedarf es eines Rahmens.
Der Gegenstand der folgenden Studie ist die Analyse des Plotmodells, das Brandon Sanderson im ersten Band der Mistborn-Serie verwendet (2009-2010).1 Sandersons Serie ist ein populäres Beispiel für einen Heist-Plot in der Fantasy, in dem ein Team von Allomanten,2 sie alle sind Diebe, Attentäter und Revolutionäre, die mit magischen Fähigkeiten und kriminellen Aktivitäten einen spektakulären Diebstahl planen, und gleichzeitig den Umsturz eines tyrannischen, autokratischen Systems in die Wege leiten. Es ist verführerisch am Beispiel von Brandon Sandersons Heist-Plot die Schwierigkeiten bestimmter „grundlegender“ Handlungsmuster zu untersuchen, auf die sich Ronald B. Tobias mit seinen 20 Master Plots festgelegt hat um zu sehen, was Tobias Kategorien übrigbleibt, wenn man genauer hinschaut.3