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Freitag, 23. Januar 2026

I am blood. I am vengeance, I am death.


Rhetorische Mittel und symbolische Codes in Anna Smith Sparks Kurzgeschichte Red Glass

«The blade itself incites to deeds of violence.»
Joe Abercrombie 1

«Der Akt der Zerstörung birgt eine Schönheit, die wir gern leugnen und eine Freude, die sich nicht leugnen lässt. Kinder bauen Türme, damit sie sie wieder umwerfen können, und obwohl wir um dieses Bedürfnis herum erwachsen werden, sitzt es weiter in uns. Tiefer als unser Blut. Gewalt ist die Sprache der Zerstörung, das lebendige Fleisch sooft ihr Gegenstand, letztlich kostbar, in Sekundenschnelle ruiniert.»
Mark Lawrence 2

Einleitung

Gewalt als unentrinnbare Realität? Schönheit, die aus Zerstörung entsteht? Der Verlust von Identität unter dem Diktat absoluter Macht? Eine fatalistische Weltanschauung; gar nihilistisch? Die Ästhetik der Gewalt und des Grauens ist das Thema, das Anna Smith Spark in ihrem erzählerischen Werk reflektiert.3 Themen, die in unserer Gesellschaft allgegenwärtig sind, ungeliebt, am liebsten geleugnet, unter den sprichwörtlichen Teppich gekehrt, in der Hoffnung, dass das, was öffentlich nicht sichtbar ist, übersehen oder vergessen wird. Anna Smith Spark zerrt an diesem Schatten des Menschseins, und führt uns in ihren Erzählungen die extremen Konsequenzen seiner Verdrängung unbarmherzig vor Augen. Gegenstand meiner Studie sind die narrativen Mittel, mit denen die Autorin diese Schattenseiten – vor allem Krieg, Gewalt und Zerstörung – thematisiert. Um Smith Sparks Kurzgeschichte Red Glass in die mittlerweile schon seit Jahrzehnten unentschiedene Debatte über Gewalt in unserer Gesellschaft einzuordnen, fasse ich zu Beginn den aktuellen Stand der Diskussion zusammen. In weiteren Kapiteln kommentiere ich meine Synopsis der Erzählung, analysiere Smith Sparks Stil und Rhetorik, interpretiere die Symbolik des zentralen Artefakts, des roten Glases, damit abschließend die Motivation der Autorin sowie die Bedeutung des Narrativs der Gewalt in ihren Erzähltexten nachvollziehbar wird.

Freitag, 16. Januar 2026

Elaine blath, Feainnewedd


Ein Paratext aus Andrzej Sapkowskis The Witcher

«Elaine blath, Feainnewedd . . . Child of the Elder Blood.»1

Einleitung

Gegenstand dieser Studie ist ein Paratext in Andrzej Sapkowskis erstem Roman der Witcher-Pentalogie, Das Erbe der Elfen,>2 der in der polnischen Originalfassung auf der Rückseite des Titelblatts abgedruckt ist (Krew elfów). In der deutschen Übersetzung leitet dieser Paratext - der in der englischen Fassung, Blood of Elves, fehlt - den Roman ein. Paratexte gehören im Fantasy-Genre zu einer beliebten Textsorte. Es handelt sich bei ihnen um kurze, prägnante Texte, Begleiter in Form von Vorworten, Notizen, Kommentaren, Leitmotiven, Mottos, Widmungen, Zitaten oder die unverzichtbaren Landkarten der erzählten Welt. Diese Begleittexte gehören nicht unmittelbar zur Erzählung, setzen aber oft einen dramaturgischen Fokus, der dazu in der Lage ist, der Fiktion eine illusorische Faktizität zu verleihen. Andrzej Sapkowski behauptet auf diese Weise in der Witcher-Saga einen fiktionalen, historischen Hintergrund, vor dem sich das Geschehen entfaltet - eine Erzählung hinter der Erzählung. Paratexte bilden ein Vestibül, wie in der antiken römischen Architektur, den geschmückten Platz zwischen Straße und Haustür der vornehmen Patrizierhäuser, den Übergang zwischen Forum und Atrium.