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Freitag, 16. Januar 2026

Elaine blath, Feainnewedd


Ein Paratext aus Andrzej Sapkowskis The Witcher

«Elaine blath, Feainnewedd . . . Child of the Elder Blood.»1

Einleitung

Gegenstand dieser Studie ist ein Paratext in Andrzej Sapkowskis erstem Roman der Witcher-Pentalogie, Das Erbe der Elfen,>2 der in der polnischen Originalfassung auf der Rückseite des Titelblatts abgedruckt ist (Krew elfów). In der deutschen Übersetzung leitet dieser Paratext - der in der englischen Fassung, Blood of Elves, fehlt - den Roman ein. Paratexte gehören im Fantasy-Genre zu einer beliebten Textsorte. Es handelt sich bei ihnen um kurze, prägnante Texte, Begleiter in Form von Vorworten, Notizen, Kommentaren, Leitmotiven, Mottos, Widmungen, Zitaten oder die unverzichtbaren Landkarten der erzählten Welt. Diese Begleittexte gehören nicht unmittelbar zur Erzählung, setzen aber oft einen dramaturgischen Fokus, der dazu in der Lage ist, der Fiktion eine illusorische Faktizität zu verleihen. Andrzej Sapkowski behauptet auf diese Weise in der Witcher-Saga einen fiktionalen, historischen Hintergrund, vor dem sich das Geschehen entfaltet - eine Erzählung hinter der Erzählung. Paratexte bilden ein Vestibül, wie in der antiken römischen Architektur, den geschmückten Platz zwischen Straße und Haustür der vornehmen Patrizierhäuser, den Übergang zwischen Forum und Atrium.

Dienstag, 13. Mai 2025

Das Schicksal der Kinder Lirs


Der alt-irische Kontext einer historischen Fantasy

Is not a tale a living thing that grows
and changes with every telling?

Juliet Marillier1

Einstimmung

Juliet Marillier erzählt ur-altes Wissen in einem modernen Gewand. Für die Textoberfläche, das eigentliche Geschehen der Erzählung, wendet sie sich an das altirische, kulturelle Gedächtnis, das sich bis heute in Mythen und Sagen ausdrückt. Fragmente, nicht mehr als Splitter, sind übergeblieben, doch die Autorin bettet sie in die mysteriöse Textur des phantastischen Erzählens, wie unterschiedliche Garne, die das Bild eines Gobelins weben. Wer eine Erzählung nicht allein der Unterhaltung wegen liest, sondern einen Blick hinter die Textoberfläche werfen will, stellt sich vielleicht zuallererst die Frage: Um welche Art Erzähltext handelt es sich? Der Schwerpunkt der folgenden Betrachtung des ersten Sevenwaters-Romans von Juliet Marillier, Die Tochter des Waldes, fokussiert auf die Beantwortung der Frage nach den kulturellen und literarischen Wurzeln dieser Erzählung.2

Montag, 16. September 2024

Tolkiens Elbenfreunde


Ideale sind wie Sterne: Wir erreichen sie nie,
Wir können aber - Wie der Seemann auf dem Meer -
Unseren Kurs nach ihnen ausrichten.
Carl Schurz

Wenn nicht John Ronald Reuel Tolkien, wer sonst wäre ein Elbenfreund. Der Titel Elbenfreund (Elendil) erinnert an den Herrn der Ringe, und die Leser*innen denken vielleicht an den Hobbit Frodo und seine Begleiter, vielleicht aber auch an die großen Vorfahren Aragons oder die steinernen Monumente der Argonath (S, die zwei edlen Steinernen). Als Frodo endlich den Entschluss fasste, seine Reise anzutreten und sich auf die Abenteuer einzulassen, die ihn entlang seines Weges erwarteten, begegnete ihm Gildor Inglorion aus Finrods Geschlecht. Kaum der Gefahr der Begegnung mit einem der Schwarzen Reiter entronnen, hörten die vier Hobbits den Gesang der Eldar (Elben):1

Doch in diesem Augenblick hörte man ein Singen, das von Gelächter unterbrochen wurde. Helle Stimmen drangen durch die sternklare Nacht. Der schwarze Schatten richtete sich auf, und zog sich zurück.