Montag, 19. Januar 2026

Willkommen im Weblog Grüne Sonnen


Wenn wir bedenken, dass wir alle
verrückt sind, ist das Leben erklärt.

Mark Twain

Wenn wir lesen, erfreuen wir uns nicht nur an den Worten des Autors, wir kommunizieren mit seinem Verstand (Martin Amis, The War Against Cliché, 2001). Geht es dabei um Phantastische Literatur, um Fantasy, dann nehmen wir an seinen Träumen, Visionen und an seiner Imagination teil. Aber auch an seiner Originalität, seiner Weltsicht und in gewisser Weise auch an seiner Ver-Rücktheit. Wie Tassen, die in einem Schrank aus ihrer Ordnung gerückt werden, so verrücken Autor:innen phantastischer Erzähltexte die Perspektive der Leser:innen auf dessen Realität und Gegenwart. Da Träume und Visionen ins Unendliche reichen, sind die Gründe der Fantasie nicht auslotbar.

Erzählungen der Fantasy handeln von uns allen. Die Autor:innen phantastischer Erzähltexte ergreifen in ihnen die Gelegenheit, das, was eine historische Realität nicht tradiert, zu ergänzen, Mythenabbrevationen auszuformulieren oder für unmöglich Gehaltenes, magisch zu inszenieren und als wahr zu behaupten. Fantasy behandelt die andere Seite der Vernunft, spiegelt Themen, die archetypisch, magisch und innerpsychisch verankert sind. Die Welt der Träume, Visionen, Wünsche und Passiones, die Atmosphären des Unheimlichen und Erschreckenden, des Numinosen und Spirituellen. Fantasy-Autoren:innen erzählen von der anderen Seite des Menschen, die in den Schatten des Rationalismus und Materialismus der Aufklärung und der Tyrannei des Verstandes geraten ist. Sie verhelfen einer sekundären Realität zurück in die Wahrnehmung, indem sie einen Gegenentwurf zu aktuellen persönlichen, sozialen und politischen Themen in einer literarischen Form präsentieren, die aus Unbewusstem schöpft und an Unbewusstes rührt.

Freitag, 16. Januar 2026

Elaine blath, Feainnewedd


Ein Paratext aus Andrzej Sapkowskis The Witcher

«Elaine blath, Feainnewedd . . . Child of the Elder Blood.»1

Einleitung

Gegenstand dieser Studie ist ein Paratext in Andrzej Sapkowskis erstem Roman der Witcher-Pentalogie, Das Erbe der Elfen,2 der in der polnischen Originalfassung auf der Rückseite des Titelblatts abgedruckt ist (Krew elfów). In der deutschen Übersetzung leitet dieser Paratext - der in der englischen Fassung, Blood of Elves, fehlt - den Roman ein. Paratexte gehören im Fantasy-Genre zu einer beliebten Textsorte. Es handelt sich bei ihnen um kurze, prägnante Texte, Begleiter in Form von Vorworten, Notizen, Kommentaren, Leitmotiven, Mottos, Widmungen, Zitaten oder die unverzichtbaren Landkarten der erzählten Welt. Diese Begleittexte gehören nicht unmittelbar zur Erzählung, setzen aber oft einen dramaturgischen Fokus, der dazu in der Lage ist, der Fiktion eine illusorische Faktizität zu verleihen. Andrzej Sapkowski behauptet auf diese Weise in der Witcher-Saga einen fiktionalen, historischen Hintergrund, vor dem sich das Geschehen entfaltet - eine Erzählung hinter der Erzählung. Paratexte bilden ein Vestibül, wie in der antiken römischen Architektur, den geschmückten Platz zwischen Straße und Haustür der vornehmen Patrizierhäuser, den Übergang zwischen Forum und Atrium.